Oktober 2008 – LaJJazzO Brandenburg / PRESSE

Auftakt nach Maß

Lajjazzo spielte im Treffpunkt Freizeit

Von Vorfreude konnte keine Rede sein. Ein Pflichttermin am Sonntagabend. Das Landesjugendjazzorchester Brandenburg “Lajjazzo” gab im Treffpunkt Freizeit ein Konzert. Eine Art Neuanfang unter dem neuen künstlerischen Leiter Jiggs Wigham. Aber die Erfahrung hat einen gelehrt: Derartige Veranstaltungen sind selten ein Genuss. Mehrere Konzerte mit solchen Landesjugendorchestern in den vergangenen Jahren haben nur den Eindruck hinterlassen, dass hier zwar ganz ambitioniert musiziert wurde, das Resultat aber oft nur das Prädikat “nett” verdiente. Dieser Swing und Jazz litt zu stark an Blutarmut. Gerade einmal eine intensive Probenwoche hatten die jungen Musiker unter Wigham hinter sich, da luden sie schon zum Konzert in den Treffpunkt. Warum sollte es ausgerechnet dieses Mal anders sein?

Vor der Musik aber noch ein paar einleitende Worte von Jiggs Wigham. Wie engagiert doch die Musiker waren, mit welcher Hingabe sie geprobt hätten und was für eine Entwicklung dieses Orchester innerhalb einer Woche genommen habe. Auch solche Worte sind bekannt und bestärkten nur die eigene, wenig hoffnungsvolle Erwartungshaltung. Ein kurzer Blick auf die Uhr und der Wunsch, dass dieser Abend sich nicht allzu sehr in die Länge ziehen solle. Dann ging es endlich mit dem Swingklassiker “Splanky” von Count Basie los und schon der erste Bläsersatz drückte einen in den Stuhl und ließ überrascht aufhorchen. Es folgte “Heart and Soul” und spätestens hier beschämte einen die vorgefasste und so arrogante Meinung. Denn was Lajjazzo an diesem Abend bot, die Frische und Begeisterung, der Groove und die Abgeklärtheit, mit der dieser bunte Haufen durch die Jazz- und Swinggeschichte marschierte, war ein Erlebnis der besonderen Art.

Für Lajjazzo ist Jiggs Wigham als Glücksfall zu bezeichnen. Im vergangenen Jahr kam die Anfrage, ob er das 1994 gegründete Orchester leiten wolle. Wigham sagte zu und wählte im Frühjahr die Musiker für seine neue Band aus. Schon hier muss sich sein besonderes Gespür gezeigt haben. Aber mehr noch in der vergangenen Woche, wo er die Stärken der 29 Musiker so zu kanalisieren wusste, dass ein Klangbild entstand, das es wirklich in sich hat. Ob in der Bigband-Formation oder im Quartett, hier pulsierten Swing, Jazz und Blues. Und fast ständig blitzten Glanzlichter auf.

Die Ballade “Bewitched”, der die Sängerin Jessica Struch einen hauchdünnen-melancholischen und trotzig-zerbrechlichen Glanz gab. Die ausgelassenen Soloeskapaden in “Slow Boat to China” von Tilo Schwabenbauer am Tenorsaxophon und Damian Omanson auf der Posaune. Die volle Bigband-Ladung mit dem Klassiker “Just you, just me” – immer wieder gab es an diesem kurzweiligen Konzertabend Momente, die selbst den abgebrühtesten Konzertbesucher begeistern konnten. Doch Höhepunkt an diesem Abend war der vor wenigen Wochen erst 17 Jahre alt gewordene Trompeter Jan Kaiser mit seiner Interpretation von “My funny valentine”.

Gedankenverloren und hingebungsvoll und von einer gewissen Coolness war Kaisers Spiel. Die Töne, die er mit geschlossenen Augen spielte, glichen in ihrer Feinheit Seifenblasen, die allein schon farbenprächtige Welten in sich verbergen können. An diesem Abend, in diesen Minuten, im Spiel von Jan Kaiser waren sie ganz leicht zu entdecken. Dirk Becker

Potsdamer Neueste Nachrichten, Dienstag 28.10.08

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